Reise in die Sommerhitze

Reise in die Sommerhitze

Letzte Woche wurde es im St. Kamillus Kolumbarium musikalisch sommerlich – und klimatisch historisch. Andrea Kaiser, Manfred Heinen und die Singing Birds nahmen rund 140 Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch bekannte Melodien, eigene Lieder und augenzwinkernde Alltagsgeschichten. Am Ende ging dieser Abend nicht nur wegen der Musik in Erinnerung ein, sondern auch als das wohl heißeste Konzert in der Geschichte der Grabeskirche.

Eigentlich war eine „Reise in den Sommer“ angekündigt. Bekommen haben die Gäste einen Ausflug mitten in den Hochsommer. Draußen lag die Hitze über Mönchengladbach, drinnen sammelte sie sich unter den Bögen des St. Kamillus Kolumbariums. Fächer und Wasserflaschen wurden an diesem Abend zu den wichtigsten Accessoires. Wer keinen Fächer dabeihatte, wurde erfinderisch: In Mitleidenschaft gezogen wurden ausgerechnet die Broschüren der Grabeskirche, die zwischenzeitlich als handliche Luftspender zweckentfremdet wurden.

Selten dürften diese Broschüren so aufmerksam bewegt worden sein. Und selten haben sie dabei so nebenbei ihren eigentlichen Zweck erfüllt. Denn mancher Gast entdeckte zwischen zwei Wedelbewegungen die überraschend günstigen Preise für eine Grabstätte in der Kirche. So wurde die Pause nicht nur zur willkommenen Abkühlung auf der Terrasse vor dem Eingang genutzt, sondern auch für Nachfragen zu den aktuellen Konditionen und den nicht zu bezahlenden Reservierungskosten.

Dass der Abend trotz der Temperaturen so leicht und lebendig blieb, lag vor allem an der musikalischen Freude auf der Bühne und im Publikum. Andrea Kaiser und Manfred Heinen sind in Mönchengladbach keine zufälligen Gäste, sondern zwei feste Stimmen der lokalen Musikszene, die seit vielen Jahren wissen, wie man Räume, Anlässe und Menschen miteinander verbindet. Kaiser als Sängerin, Gesangslehrerin und Chorleiterin; Heinen als Jazzpianist, Komponist, Texter und musikalischer Begleiter mit feinem Gespür für Zwischentöne.

Gemeinsam mit den Singing Birds entstand ein Konzert, das sich tatsächlich wie ein sommerliches Mixtape anfühlte: vertraute Lieder, neu gefärbt; eigene Stücke, mitten aus dem Leben gegriffen; kleine Pointen, die nicht laut sein mussten, um anzukommen. Es ging um das Älterwerden, um Sport, Alltag, Fahrradfahren und um all die kleinen Situationen, in denen man sich ertappt fühlt, bevor man darüber lachen kann.

Mal standen Andrea Kaiser und Manfred Heinen allein im Mittelpunkt, mal öffneten die Singing Birds den Klangraum mit mehrstimmiger Wärme. Der Chor gab vielen Liedern zusätzliche Tiefe, manchmal Druck, manchmal Weite. Auch bekannte Songs bekamen an diesem Abend ihre eigene Farbe: So gehörte unter anderem Andrea Kaisers Solo-Version von „I Can See Clearly Now“ zu den besonderen Momenten, während die Singing Birds beispielsweise mit „Easy on Me“ ihre mehrstimmige Stärke zeigten. Klassiker zum Mitsingen, eigene Interpretationen und ruhige Zuhörmomente wechselten sich ab und machten das Programm abwechslungsreich und lebendig.

Rund 140 Besucherinnen und Besucher ließen sich weder von den Temperaturen noch vom bevorstehenden WM-Spiel der deutschen Mannschaft vom Kommen abhalten. Sie waren nicht einfach nur gekommen, sie waren mit Freude da: treue Fans, Chormitglieder, Musikfreundinnen und Musikfreunde, die diesen Abend gemeinsam erleben wollten. Gerade dadurch blieb die Stimmung trotz der Hitze herzlich, gelöst und voller Begeisterung.

Am Ende war es ein Abend, der zum St. Kamillus Kolumbarium passte: menschlich, nahbar, voller kleiner Beobachtungen und mit Musik, die den besonderen Raum nicht überdeckte, sondern ihn auf ihre Weise zum Klingen brachte. Die Hitze wird man nicht vergessen. Die Broschüren vermutlich auch nicht. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an ein Konzert, das aus einem Sommerabend einen sehr besonderen Moment gemacht hat.