René Pütz zwischen Raum und Zeit
René Pütz zwischen Raum und Zeit
Ein Mann, viele Instrumente und ein Abend, der eigentlich länger sein musste: René Pütz verwandelte das St. Kamillus Kolumbarium in einen Klangraum voller Erinnerungen, Energie und überraschender musikalischer Momente.
Manchmal reichen 90 Minuten einfach nicht aus. Zumindest nicht, wenn René Pütz auf der Bühne steht, seine Instrumente um sich versammelt, mit Stimme, Gitarre, Klavier, Looper, Synthesizer, Schlagzeugklängen und diesmal sogar einer Handpan einen ganzen Abend entstehen lässt.
Schon vor Konzertbeginn hatte der Musiker augenzwinkernd erklärt, dass die vom Veranstalter erlaubte Spielzeit kaum ausreichen könne, um einen echten Spannungsbogen aufzubauen. Natürlich gelang ihm genau das trotzdem. Und als sich abzeichnete, dass dieser Abend noch ein wenig mehr Zeit verdient hatte, reichte Sandra Schönenborn, Managerin des St. Kamillus Kolumbariums, ihm kurzerhand einen Zettel auf die Bühne: Die Überziehung war genehmigt.
So wurde aus einem Konzert auch ein kleiner Dialog zwischen Raum und Zeit.
Den Auftakt machte René Pütz an der Kirchenorgel mit Elton Johns „Your Song“. Schon dieser Einstieg zeigte, wie besonders dieser Abend werden sollte: nicht laut, nicht auf Effekt gespielt, sondern unmittelbar und nah. Danach folgte Bruce Springsteens „I’m on Fire“ – und zum ersten Mal kam der Looper mit Synthesizer zum Einsatz. Die Drums entstanden aus der Gitarre, Schicht für Schicht wuchs der Sound, bis sich das Lied fast wie von selbst aus den einzelnen Spuren formte.
Genau darin lag eine der großen Faszinationen dieses Abends: Man hörte nicht einfach fertige Songs. Man erlebte, wie sie entstanden. Aus einem Beat, einem Rhythmus, einem Gitarrenklang, einer Stimme. Schon nach wenigen Loops begann man im Publikum zu rätseln, welches Stück sich gerade ankündigte – und freute sich, wenn man beim Einsetzen der Melodie richtig gelegen hatte. Bei Bill Withers’ „Ain’t No Sunshine“ war der Beat so unverkennbar, dass man nach wenigen Sekunden ahnte, wohin die Reise ging.
René Pütz stand an diesem Abend ganz allein im Fokus. Und genau das tat dem Konzert gut. Ohne Band, ohne Ablenkung, ohne große Inszenierung wurde hörbar, was für ein vielseitiger und präziser Musiker er ist. Jeder Ton, jede Spur, jeder Wechsel zwischen Instrumenten lag offen vor dem Publikum. Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten es ihm mit großer Aufmerksamkeit, langem Applaus und am Ende mit Standing Ovations bis in die obere Etage des Kolumbariums. einem Konzert, das zwischen Raum und Zeit genau dort angekommen ist, wo es hingehörte.
Ein besonderer Moment war der Einsatz der Handpan – ein erstes Mal, wie René Pütz selbst erzählte. Mit ihrem warmen, schwebenden Klang stimmte er Stings „Fragile“ an. Im Zusammenspiel mit dem Looper entstand ein Sound, der dem Original erstaunlich nahekam und zugleich ganz eigen blieb. Später, bei „Englishman in New York“, folgte das Publikum seinem eingesungenen Chor-Schnipsel und wurde selbst Teil des Stücks. Für einen Moment klang die Grabeskirche wie ein großer gemeinsamer Chor.
Auch „Papa Was a Rollin’ Stone“ begann mit diesem typischen Gefühl, dass sich hier ein langer, groovender Spannungsbogen aufbauen könnte. Doch René Pütz führte das Stück überraschend in Richtung George Michaels „Killer“ und machte daraus eine dichte, faszinierende Interpretation, die musikalisch weit ausholte und dennoch auf den Punkt blieb.
Sehr berührend wurde es in den Zwischenmoderationen. Immer wieder sprach René Pütz über den besonderen Charakter dieser Kirche. Er erzählte, dass bereits sein Vater von der außergewöhnlichen Architektur des St. Kamillus Kolumbariums fasziniert gewesen sei. Obwohl dieser am Ende seines Lebens auch mal im benachbarten Altenheim war, konnte er das erste Konzert seines Sohnes in dieser Kirche aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr besuchen.
In diesem Moment wurde spürbar, dass dieser Ort mehr ist als eine Konzertkulisse. Er ist ein Raum, in dem Musik, Erinnerung und Architektur auf besondere Weise zusammenfinden. Charmant erklärte René Pütz dem Publikum, warum die Konzerte im St. Kamillus Kolumbarium kostenfrei stattfinden. Er selbst, so sagte er mit einem Lächeln, lebe natürlich von seinen Auftritten und werde für seine Musik bezahlt. Die Besucherinnen und Besucher aber müssten nichts zahlen, weil das Kolumbarium die Konzerte ermögliche – auch, um möglichst vielen Menschen zu zeigen, wie schön, offen und lebendig eine Grabeskirche sein kann.
Zum Abschluss wurde es noch einmal gemeinschaftlich. Für „Lean on Me“ von Bill Withers sang René Pütz Schicht für Schicht einen ganzen Chor ein. Am Ende sangen alle Gäste mit. Ein Lied, das sich langsam aufbaute, bis der ganze Raum getragen wurde von Stimmen, Rhythmus und diesem besonderen Gefühl, gemeinsam Teil eines Moments zu sein. (Wie dieser musikalische Aufbau klang und aussah, zeigen wir in einem kurzen Video auf unserem Instagram-Kanal.)
René Pütz hat an diesem Abend bewiesen, dass ein einzelner Musiker einen ganzen Raum füllen kann. Mit Klang, mit Persönlichkeit, mit Humor – und mit






